Dienstag, 3. April 2018

12/2 eth: Wie werde ich glücklich?

Viele Philosophen haben sich mit der Frage beschäftigt, wie man ein glückliches Leben führen kann. Allerdings muss man dieser Frage erstmal eine Begriffserklärung vorausschicken.

Was ist Glück?
Der Biologie zufolge empfinden wir Glück, wenn bestimmte Hormone von unserem Gehirn ausgeschüttet werden. Diese Art von Glück lassen wir erstmal aber außer Acht.

Wir empfinden Glück, wenn wir verliebt sind oder wenn wir Spaß haben. Auch wenn wir als Kind einen leckeren Nachtisch oder endlich ein cooles Spielzeug bekommen haben, waren wir glücklich. Diese Art von Glück ist allerdings nur temporär, auf einem Gefühl beruhend und deshalb aus der Sicht der Philosophie kein reiner Wert.

Das Glück, mit dem sich die Philosophen beschäftigen ist langanhaltend, im Besten Fall ein Leben lang, und unabhängig von Gefühlszuständen.

Man kann also glücklich sein, auch wenn man nicht glücklich ist.
Das philosophische Glück besteht auch dann noch, wenn wir uns von unserem Partner getrennt haben, wenn ein Familienmitglied gestorben ist oder wenn wir viel Geld verlieren und deshalb unglücklich sind. 
Daher sollten wir alle das philosophische Glück anstreben, oder nicht?

Wenn man also den Entschluss gefasst hat, muss man nur noch die Philosophen fragen, wie man denn dieses ultimate Glück erlangt. Das Problem: die Philosophen haben verschiedene Theorien.


Aristoteles
"[...]zur Glückseligkeit gehört wie gesagt vollendete Tugend und ein volles Leben."
Herzlichen Glückwunsch, wenn Du diese äußeren Bedingungen erfüllst, kannst du ohne Probleme glücklich werden:


  • Eine hinreichende ökonomische Basis (also genug Geld), damit du dir keine Sorgen machen musst, wie du deine nächste Mahlzeit besorgst und somit an deinen Qualitäten arbeiten kannst
  • Keine übermäßige Hässlichkeit (und dabei meint Aristoteles Missgestaltungen), denn die Menschen in deiner Umgebung werden dich sonst verspotten
  • Wohlgeratene Kinder, denn wenn du Rotzbengel großziehst, will sonst keiner mit dir zu tun haben oder denkt du bist ein schlechtes Elter
  • Anständige und Tugendhafte Freunde, die dir helfen, deine Qualitäten auszubilden und dich nicht in schandhafte Situationen bringen, die die Gesellschaft dazu veranlassen, dich auszustoßen
  • Eine angesehene soziale Stellung, denn von der Gesellschaft Ausgestoßene werden am Versuch, das Glück zu erreichen, gehindert
So einfach sind die Ursachen aufzudecken, die deinem Glück im Weg stehen.
Aber natürlich ist das nicht alles und auch mit Armut oder Rotzbengeln lässt sich das absolute Glück noch erreichen.

Laut Aristoteles ist der Mensch ein Vernunftwesen. Wenn der Mensch auf seine Vernunft hört, wird er sein Leben auf sittliche Weise aktiv gestalten und sich so ein glückliches Leben aufbauen.

Außerdem ist der Mensch Mitglied der Gesellschaft und als zoon politikon (= Wesen mit gemeinschaftsorientierung) muss er seinen eigenen Weg zum Glück finden, der aber auch den gesellschaftlichen Idealen entspricht, denn nur einer Gemeinschaft zugehörig kann der Mensch sein eigentliches Wesen verwirklichen und tugendhaft leben.

Die Fähigkeit, zum Glück zu gelangen, auch wenn man die äußeren Bedingungen nicht erfüllt, ist also erwerbbar.
Man muss nur die Vernunft einschalten und tugendhaft leben.

Die höchste glückhafte Form des Lebens ist  das Hintersichlassen aller Bedürfnisse (außer die biologischen) und  das Erreichen der Autarkie (=Selbstgenügsamkeit) und damit der Glückseligkeit. Das schaffen aber nur wenige Menschen, am ehesten Philosophen.


Epikur
"Das schauderlichste Übel also, der Tod, geht uns nichts an; denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr."
Vielleicht schwierig zu verstehen und nachzuvollziehen, aber dafür ein strukturierter Plan wurde von Epikur vorgelegt.

Er sagt, das höchste Gut, das ein Mensch haben kann, ist der Glückszustand des inneren Friedens, also die Ataraxia (= erregungsfreiheit, seelenruhe). Und dieser Lustzustand ist die Freiheit von Unlust.
Ohne nun Groß die Begriffe Lust und Unlust zu erklären (die sehr kompliziert sind): Wenn wir alle negativen Gefühle ausschalten, erreichen wir einen inneren Frieden, eine Ruhe, und das ist das absolute Glück.

Um das zu erreichen, müssen wir nur die Quellen der Unlust erforschen, das sind im Wesentlichen drei negative Gefühle:

1. Furcht
Entweder wir fürchten uns vor Göttern oder vor dem Tod, doch ungeachtet dessen erwarten wir ein unkontrollierbares, drohendes Übel.
Diese Furcht ist allerdings irrational. Denn Götter sind Wesen, die über uns stehen, die also das ultimate Glück bereits erreicht haben, deshalb kümmern sie sich gar nicht um uns und der Tod ist unwichtig, denn wenn wir tot sind können wir nichts mehr empfinden (denn wir bestehen ja aus Zellen) wie Reue, Selbstzweifel, Schmerz etc.

2. Begierde
Begierden werden dann negative Gefühle, wenn wir sie nicht stillen können. 
Entweder die Begierde ist notwendig zum überleben, dann hält die Natur aber alles bereit, was wir brauchen, um diese Begierde zu stillen. Oder die Begierde ist unstillbar, doch mithilfe der Tugenden lässt sich das Problem lösen, ohne das Objekt der Begierde zu erhalten.

3. Schmerz
Laut Epikur ist Schmerz aushaltbar, wenn entweder die Dauer oder das Leid gering ist oder man kann den Schmerz durch Lust (positive Gefühle) kompensieren.
Das gilt allerdings nicht bei dem Leid, das sich Menschen gegenseitig antun, da dieses Leid sehr stark sein kann.

Erkennen wir diese drei Quellen der Unlust mithilfe unserer Vernunft und eliminieren wir sie, so erlangen wir Lust. Sie ist also ein Gut, das uns jederzeit zur Verfügung steht, weshalb die Ausbildung der Vernunft die Quelle des Glücks ist.

Stoa
"Wenn du einwilligst führt dich das Schicksal, wenn nicht, zwingt es dich."
"Glücklich ist also ein Leben, das mit der Natur im Einklang steht." - Seneca 
Laut der Stoa durchwaltet und steuert die Weltvernunft (das Logos) alles, auch den Menschen. Denn die menschliche Vernunft ist unser Logos, also das, was wir ausbilden und einsetzen sollen.
Wenn der Mensch vernünftig handelt, handelt er demnach richtig. Und weil er deshalb dem Logos von sich aus entspricht, ist er Frei.

Diese Freiheit erlangen wir durch:

  • autarkia: Die Unabhängigkeit von anderen Personen und ihrem Urteil, man muss sich selbst genügen (siehe Aristoteles)
  • apathia: Sich durch Schicksalsschläge nicht beeinflussen lassen
  • ataraxia: Den Gleichklang der Seele erreichen, also ein Mittelmaß der Gefühle finden und innerlich ausgeglichen sein (siehe Epikur)
  • adiaphona: Allem gegenüber gleichgültig sein, was nicht den Charakter stärkt, sich also nur darauf konzentrieren, die Tugenden auszubilden
Laut der Stoa lassen sich die Güter der Seele in Kategorien einteilen:
Einmal die Tugenden, sie bilden die Grundlage der Selbstbeherrschung. Sie verhindern, dass wir unseren Trieben nachgehen und dem Logos folgen können. Das sind einmal Wissen und Können und die innere Verfassung, eine Besonnenheit und sittliche Standhaftigkeit.
Es gibt auch die Nicht-Tugenden wie Freude oder Heiterkeit, also positive Gefühle die uns Glücklich machen.

Glück ist laut der Stoa ganz einfach das Erfüllen des Logos, also durch die menschliche Vernunft die Tugenden ausbilden, denn nur so werden wir vom Logos zu nichts gezwungen und können frei sein.

Die Paradoxie des Glücks
"Die Tür zum Glück geht nach außen auf." -Frankl
Nach welchem Philosophen man sich nun richtet, um glücklich zu werden, ist jedem selbst überlassen. Allerdings ist nicht gesagt, dass man das Glück tatsächlich erreicht, wenn man ihre Ratschläge befolgt.

Es gibt eine sogenannte Paradoxie des Glücks: Je mehr man das Glück anstrebt, umso schwerer wird es erreichbar.

Es ist ein Teufelskreis: sobald man sich einmal in den Kopf gesetzt hat, unbedingt glücklich werden zu müssen, schafft man eine Hyperintention (=man strebt mit aller Kraft ein Ziel an). Doch auf dem Weg zu diesem Ziel beobachtet man sich ständig selbst und vergleicht die momentane Situation immer mit dem Ziel, das ist die Hyperreflexion (=ständige Selbstbeobachtung). Wenn man sich die Frage stellt "Wie nah bin ich meinem Ziel nun?" wird man feststellen, das man noch weit vom Ziel entfernt ist und die Hyperreflexion schlägt in die Hyperintention um: man will das Ziel nun umso mehr erreichen und so geht das immer weiter, ohne dass man weitere Schritte in Richtung dieses Ziels machen kann.

Für diesen Teufelskreis bietet Frankl eine Lösung an: Die Dereflexion. Man soll sich nicht auf ein Ziel fixieren und sich mehr auf die anderen konzentrieren statt auf sich selbst.

Beim Versuch, Glück zu erlangen, konzentrieren sich viele Menschen zu sehr auf das Erfüllen ihrer Bedürfnisse, doch das spielt keine Rolle.
Bedürfniserfüllung führt nicht direkt zum Glück und ist auch nicht notwendig, um glücklich zu werden. 
Der Mensch sehnt sich einzig und allein nach einem Sinn. Wenn man nach einem Sinn sucht und ihn findet, kann man glücklich werden, auch ohne dass man seine Bedürfnisse befriedigt. Wie sonst können so viele Menschen schlimme Zeiten wie Kriege überstehen?

Man soll also nach Sinn streben, um glücklich zu werden. Aber wie findet man Sinn?
Eine Methode ist die Selbst-Transzendenz. Transzendenz = das Überschreiten der Grenzen der bisherigen Erfahrung und des Bewusstseins.
Man muss sich völlig einer Person oder Sache hingeben und sich selbst vergessen (Dereflexion). So findet man Sinn in personalem Bezug, nicht in allgemeinem, aber das Erkennen dieses Sinnes ist in jedem Umstand möglich.

Viel Glück! ;)

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