Mittwoch, 19. Dezember 2018

Warum wir kein Fell mehr haben - oder: Herr Professor, ich glaube Sie haben die Evolution falsch verstanden.

Endotherme Organismen wie Säugetiere oder Vögel regulieren ihre Temperatur, sodass sie immer einen konstanten Wert beibehält (zumindest innerhalb der Thermoneutralzone). Beim Menschen wären dies 37°C. Die Organismen schaffen das unter anderem durch das isolierende Fell.
Worin liegt denn nun der Vorteil, dass der Mensch kein Fell mehr hat also anders ausgedrückt: warum hat der Mensch sich so evolviert, dass er kein Fell mehr hat.

Evolution - "survival of the fittest" - ein ständiges besser, höher, weiter. Oder eben nicht. Warum der Mensch, so wie wir heute sind, überlebt hat obwohl es ihn während der Eiszeit ganz schön gefroren haben muss, möchte ich heute abhandeln.

Evolution läuft in zwei Schritten ab: zuerst mutiert die DNA eines Individuums, dann "entscheidet" die Selektion, welche Individuen überleben oder richtiger ausgedrückt, die Individuen die einen Nachteil haben sterben aus, ohne ihr Erbgut an die nächste Generation weiterzugeben. 
Am Anfang der Evolution des Menschen stellen wir uns ein affenähnliches Gebilde vor. Während die Jahrtausende verstreichen sieht der Urmensch uns immer ähnlicher und irgendwann hat er kein Fell mehr. Mir geht es hier gar nicht darum, wie genau das passierte - wahrscheinlich wurden in den Generationen nach und nach mehr Körperstellen kahl. 
Tatsache ist, dass die Felllosigkeit oder Haarlosigkeit sich durchgesetzt hat, da wir heute eben kein Fell mehr haben, sondern nur noch dessen Rückstände. Die Entstehung der Haarlosigkeit ist also der erste Schritt: die Mutation. 
Nun mag man daraus folgern, dass der zweite evolutionäre Schritt, die Selektion, dieses Merkmal gefördert haben muss, sonst hätten die haarlosen Menschen nicht über tausende Generationen überleben können. Ob dies nun geschah, weil Menschen andere Menschen mit weniger Haaren attraktiver fanden und so mehr haarlose Nachkommen zeugten oder ob die Haarlosigkeit eine bessere Anpassung an die Natur darstellte ist völlig egal. Die Menschen ohne Fell schienen einen Vorteil zu haben und starben nicht aus.

Nun aber daraus zu folgern, dass das Merkmal selbst, also die Haarlosigkeit der Vorteil war, der das Überleben der frühen Menschen sicherte, bezweifle ich. Stelle man  sich exemplarisch - rein modellhaft die Urzeit so vor, wie im Film "Am Anfang war das Feuer". Es existieren zwei Urmenschen gleichzeitig (eine Theorie, die in den letzten Jahren durch viele Funde verstärkt wurde): die einen haben Fell, scheinen sich nur dürftig durch Kreischlaute miteinander zu verständigen und benutzen keine Werkzeuge. Die anderen haben kein Fell mehr - sie waren aber so intelligent, sich das Fell von anderen Tieren zu "Kleidung" zu machen, zeigen Ansätze einer sprachlichen Verständigung und verwenden Werkzeuge.
Nun habe ich bereits einen wichtigen Aspekt dargestellt: die Intelligenz. Was ist, wenn sich die Haarlosigkeit zuerst bei Urmenschen entwickelte, die intelligenter waren, also denen, die die anderen Urmenschen ausrotteten. Obwohl die Haarlosigkeit Nachteile brachte, wie das Frieren und weniger Schutz, konnten diese durch intelligente Lösungen kompensiert werden und führten deshalb nicht zum Aussterben der haarlosen, intelligenten Urmenschen. Im Gegenteil: trotz des Nachteils, kein Fell zu haben, stellte die höhere Intelligenz einen so gewaltigen Vorteil dar, sodass dieser Urmensch die anderen Urmenschen ausrottete und bis heute die einzige überlebende Menschenart ist.

Die Devise "survival of the fittest", nach Darwin eigentlich das Überleben des am Nachkommenreichsten, trifft vollkommen zu, denn wie wir wissen hat der fell-lose Mensch die Erde bevölkert. Das Überleben des am Besten angepassten ist eine Sache der Perspektive: Fell zu haben hätte dem Menschen in der Eiszeit sicher einen großen Vorteil gebracht, doch der Mensch hat sich anderweitig geholfen und so keinen großen Nachteil gehabt. Außerdem möchte ich hier vorrangig die Intelligenz als das am besten zum Überleben geeignetste Merkmal anführen.

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