Dienstag, 13. Februar 2018

ABI deu: I. Epochen & Strömungen (1)




1. Der Barock

Die von 1600-1770 einzuordnende Epoche lässt sich unterteilen in:
Frühbarock: 1600-1650
Hochbarock: 1650-1720
Spätbarock, auch als Rokoko bezeichnet: 1720-1770

Der Historische Hintergrund:
1618 begann der Dreißigjährige Krieg, viele Dörfer wurden zerstört und geplündert. Der Absolutismus kommt in Mitteleuropa auf, nach Vorbild Frankreichs. Dort regiert Ludwig XIV als "Sonnenkönig". Es gilt die noble Herkunft als einzige Legitimation der absolutistischen Herrschaft. Der Ausdruck von Prunk, Macht und Reichtum am Hof steht im extremen Gegensatz zum armen bürgerlichen und bäuerlichen Bevölkerungsstand.

Das Lebensgefühl der Menschen:
Auf der einen Seite erinnern sich die Menschen an den Tod und die Vergänglichkeit des Lebens, sie sehnen sich in einer art Weltflucht nach dem Jenseits. Auf der anderen Seite herrscht eine wilde Lebensgier und die Liebe zum Diesseits, eine Art Weltsucht. "Memento mori"     <-> "Carpe Diem"
Gedenke des Todes <-> Nutze den Tag

Die Merkmale des Barock:
Die ARCHITEKTUR zeichnet sich aus durch Prachtbauten mit Kuppeln und Säulengruppen. Besonders auffällig sind die aufwändigen Wand- und Deckengemälde und die geschwungenen Gartenanlagen. Die MUSIK bereichert mit pompösen Opern und emotionalen Melodien. In der KUNST kommen düstere Bilder auf, durchgängiges MOTTO des Barock sind "Vanitas", die Vergänglichkeit, und "memento mori".

Archzine.net
Pieter Claesz









Die Lyrik des Barock:
Es kommen vor allem drei verschiedene Formen der Lyrik vor. Am bekanntesten ist wohl das SONETT. Es besteht aus 4 Strophen, davon zwei Quartette (4 Verse pro Strophe) mit umarmendem Reim und zwei Terzette (3 Verse pro Strophe) mit Schweifreim. Die häufigste Unterform enthält einen Alexandriner, einen sechshebigen Jambus mit Mittelzäsur.

ANDREAS GRYPHIUS: TRÄNEN DES VATERLANDES (1636)

Wir sind doch nunmehr ganz, je mehr denn ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun
Hat aller Schweiß, und Fleiß, und Vorrat aufgezehret.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist umgekehret.
Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,
Jungfern sind geschänd't, und wo wir hin nur schaun,
Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Hier durch die Schanz und Stadt, rinnt allzeit frisches Blut.
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut,
Von Leichen fast verstopft, sich langsam fort gedrungen.

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer denn die Pest, und Glut und Hongersnot,
Dass nun der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

Das KALLIGRAMM, auch Figurengedicht, ist eine visuelle Poesie. Es entstand aus den religiösen Gittergedichten aus dem Mittelalter, welche in Form eines Symbols den Inhalt des Gedichtes wiederspiegeln. Das Aussehen des Bildes ist wichtiger, als der Inhalt. Beliebte Motive im Barock sind Sanduhren, Pflanzen und Kerzen.







Das EMBLEM ist dreiteilig aufgebaut. (1) Inscriptio, das Motto, als Überschrift, (2) Pictura, ein Bild, als Hauptteil des Emblems und eine bildliche Darstellung des Themas und (3) Subscriptio, die Bildunterschrift, in Form eines Epigramms (dichterischen Gedankens) zur Deutung des Emblems.







2. Die Aufklärung

Die Aufklärung geht von ca. 1650-1800 und greift die Merkmale der Antike wieder auf. Eine Bewegung von Wissenschaftlern und Philosophen möchten die Erkenntnis ins Mittelalter bringen und es "erleuchten". Deshalb wird die Aufklärung auch oft als "Epoque du lumière" oder "Age of enlightment" bezeichnet.

Soziale und Politische Gegebenheiten:
Langsam kommen Rechte auf, die die Bürger vor dem Staat schützen sollen, man löst sich vom Gewaltmonopol der absolutistischen Herrscher. Das Gemeinwohl wird als Staatspflicht angesehen. Das Naturrecht und der gesunde Menschenverstand sollen als Maß gelten, dies führt zu den Anfängen der Säkularisierung, also des Lösens des Staates von der Kirche. Es gibt trotzdem noch keine Gleichberechtigung von Frauen.

Der Grundgedanke der Aufklärung:
Den Grundgedanken stellte Immanuel Kant:
"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen."
Das MOTTO ist "sapere aude", bediene dich deines eigenen Verstandes!
Kant kritisiert damit das Volk, das sich von den absolutistischen Herrschern unterdrücken lässt.

Ziele der Aufklärung:

  • Emanzipation des Bürgertums
  • Vernunft als Maß aller Dinge verwenden
  • Abkehr vom Gottesgnadentum als Legitimation der Herrschaft
  • Bildung als höchstes anzustrebendes Gut
  • Verbreiten des eigenständigen Denkens eines Individuums und fördern verschiedener Meinungen
  • Anregung von Diskussionen zur Wahrheitsfindung
  • Religiöse Toleranz, Menschlichkeit
Die Künste in der Aufklärung:
Die Natur gilt als nachzuahmendes Modell in der Architektur, Kunst und Literatur. Die Aufklärung ist keine musikalische Epoche, doch durch regelmäßig erscheinende Schriftwerke kommt es zu einer zunehmenden Verbreitung der Literatur. Häufig sind es wissenschaftliche oder philosophische Werke. Die Belletristik lässt sich einteilen in Prosa, Lyrik und Drama. Eine neue Form des Dramas kommt auf: das bürgerliche Trauerspiel (z.B.: "Emilia Galotti" von Lessing).


3. Sturm & Drang

Der Sturm & Drang war keine Epoche, sondern eine kurze Bewegung oder Strömung im 18. Jahrhundert, vor allem Jugendlicher Erwachsener während der Aufklärung.
Sie protestierten gegen jede Art von Beherrschung von Außen und waren gegen die einseitige Betonung der Vernunft, denn für sie waren auch Harmonie, Freiheit und Gefühle wichtig. Sie strebten nach Selbstverwirklichung.

Einige Werke:
"Die Leiden des jungen Werther", Goethe (1774)
"Sturm und Drang", Klinger (1776)
"Die Räuber", Schiller (1781)
"Kabale und Liebe", Schiller (1784)


4. Die Weimarer Klassik

Die Weimarer Klassik wird als das "Goldene Zeitalter" bezeichnet, denn sie war eine Epoche kultureller Höchstleistung, welche vor allem in Weimar zu beobachten war. Sie beginnt mit der Rückkehr Goethes von seiner Italienreise 1786 und endet mit Goethes Tod 1832.

Weimars Bedeutung:
Weimar war der Mittelpunkt der deutschen Klassik. Eine große Rolle hierbei spielte der Hof, der Weimar regierte. Herzogin Anna Amalia und ihr Sohn Herzog Carl August waren den Literaten und der Kunst sehr zugetan und subventionierten und unterstützten sie. Außerdem lebten die vier wichtigsten Persönlichkeiten der Klassik alle in Weimar. Wieland, Goethe, Herder und Schiller werden deshalb auch als das "Viergestirn" bezeichnet.

Das Leben zur Weimarer Klassik:
Weimar war eine kleine, dorfähnliche Stadt mit ca. 6.000 Einwohnern und relativ arm. Deshalb waren das Straßennetz schlecht ausgebaut und die hygienischen Bedingungen schlecht. Die schlechten Bedingungen führten zu Massenerkrankungen und einer damit verbundenen hohen Sterberate.

Die Motive der Weimarer Klassik:
Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen strebten die Menschen nach Harmonie und Sittlichkeit und suchten menschliche und ästhetische Vollendung. Diese Motive spiegelten sich auch in der Kunst der Weimarer Klassik wieder.

Einige Werke:
"Iphigenie auf Tauris", Goethe
"Faust", Goethe
"Maria Stuart", Schiller



...Im nächsten Teil morgen geht es weiter mit Romantik, Vormärz, Biedermeier, poetischer Realismus und Naturalismus...

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