Mittwoch, 14. Februar 2018

ABI deu: I. Epochen & Strömungen (2)


5. Die Romantik

Der Vernunftglaube der Aufklärung und das Humanitätsideal der Klassik scheitern an realer Umsetzung. Der Blick der Romantiker richtet sich nach innen. Es entsteht eine neue Strömung von 1800 bis ca. 1840

Zeitgeschehen:
Freuds Psychoanalyse und Traumdeutung kommen auf, man erforscht die Psyche der Menschen.

Motive:
Die Romantiker scheinen in einer Scheinwelt zu leben, in der sie ihre Individualität und Sehnsucht ausleben. Sie widmen sich und thematisieren Träume, Emotionen und die Psyche. Dadurch wollen sie die reale Welt besser verstehen. Bekannte Motive sind die Nacht und die blaue Blume, die für die Sehnsucht steht.

Kunstauffassung der Romantik:
Die Romantiker bedienen sich nicht der Naturwissenschaften, um die Welt zu erklären und ihren Sinn zu finden, sondern suchen das Abbild der Welt und des Sinnes in der Kunst und der Liebe.

JOSEPH VON EICHENDORFF: MONDNACHT (1837)

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküßt,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis' die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Werke:
"Der Sandmann", E.T.A. Hoffmann
"Novalis", Heinrich von Ofterdingen
"Aus dem Leben eines Taugenichts", Joseph von Eichendorff

6. Der Vormärz

Ab 1825, zur Zeit Napoleons, kam der Vormärz auf, eine Zeit des Umsturzes. Er richtet sich bewusst gegen die Romantiker, da ihre Lebenseinstellung nichts verändert, sondern nur überspielt hat.

Die deutsche Mentalität zum Vormärz:
Durch die Notlage viele Bürger und den Krieg kehrten die die Menschen in einer letzten Hoffnung wieder zur Religion. Man strebte nach der Einheit Deutschlands. Der Nationalismus spielte dabei eine große Rolle, denn man suchte durch eine Einigung des Volkes, Stärke zu erlangen, um Napoleon zu schlagen und für Freiheit zu kämpfen.

Die Ziele des Vormärz:
Die Ziele des Vormärz waren rein politischer Natur, wobei sie versuchten, das Volk anzusprechen und anzuleiten. Man wollte die Wahl eines Staatsoberhauptes und das Ende der Ausbeutung durch den Adel. Es galt das Ideal der sozialen Gerechtigkeit in einer Demokratie zu erschaffen.

Die "neue" Dichtung:
Im Gegensatz zu den alten literarischen Formen, die distanziert vom weltlichen Geschehen, im Dienste der Musen nur beobachteten, galt die "neue" Dichtung als Arbeit. Mitten im weltlichen Geschehen, teilhabend am Leid und an der Freude des Volkes, sahen sich die Künstler im Dienste des Vaterlandes stehen. Sie versuchten deshalb durch Recherche ihren Werken einen Hintergrund und eine Aussage zu geben.

HEINRICH HEINE: DIE SCHLESISCHEN WEBER (1845)

m düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten 
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen, 
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande, 
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch - 
wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

7. Der Biedermeier

Die Literaturepoche von 1815-1848 lief parallel zum Vormärz.

Das Alltagsleben:
Vorherrschend war eine konservative Lebenshaltung mit einem behaglichen Familienleben und einer gemütlichen Wohnatmosphäre. Man zog sich gern in die Privatsphäre zurück, beliebt waren bei Frauen Handarbeiten, denn man sehnte sich nach einem geordneten Leben und privatem Glück.

Die Künste im Biedermeier:
Sehr bekannt ist die INNENARCHITEKTUR des Biedermeier. Die Möbelstücke zeichnen sich aus durch schlichte Eleganz, Behaglichkeit und Zweckmäßigkeit, wodurch sie nur wenig verziert sind. Typisch waren Kommoden, Vitrinen und Kleinmöbel, doch am wichtigsten war der Tisch, der als Versammlungsort der Familie diente. In der MALEREI wurde meist die nahe Umgebung dargestellt. Vor allem erschienen zu der Zeit Landschaftsmalereien, Stilleben, Porträts und neu Interieurmalerei (die Darstellung von Zimmern), die sachlich, realistisch und idealistisch dargestellt wurden.

Die Literatur:
Bevorzugt waren kleinere Formen, die durch ihre schlichte Form und Sprache, ihre Volkstümlichkeit und Bildlichkeit gekennzeichnet waren. Die Literatur sollte das sittliche Ideal darstellen. Die LYRIK war einfach und volksliedhaft, enthielt häufig Zyklen. Thematisiert wurden Liebe, Religion, Vergänglichkeit, Entsagung und häusliches Glück. In der EPIK waren Novellen, Kurzgeschichten und Märchen sehr beliebt, doch es gab auch einige einflussreiche Romane. Die DRAMEN im Biedermeier waren meist melancholisch, pessimistisch und düster. Es gab auch komödiante Stücke, die meist grotesk und verzerrt waren.

EDUARD MÖRIKE: ER IST'S

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
- Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab' ich vernommen!

Werke:
"Herr Biedermeier, Mitglied der 'besitzenden und gebildeten Klasse'", Ludwig Pfau
"Das Spiegelbild", Anette von Droste-Hülsoff

8. Der poetische Realismus

In der Wilhelminischen Ära, ab ca. 1850, kommt der poetische Realismus auf. Modern sind die Gesellschaftsromane, die das Leben der Gesellschaft zur damaligen Zeit abbilden. Der Realismus soll die Wirklichkeit abbilden, im poetischen Realismus wird die Wirklichkeit aber, vor Allem das Elend, auch verklärt. Gut erkennbar ist dies an den Balladen Theodor Fontanes. Sie fußen auf wahren Begebenheiten, die Fontane aber mit sprachlich-stilistischen Mitteln schmückt und leicht abändert, um eine Aussage damit zu verbinden. Sein Roman "Effi Briest" wird als Höhepunkt des poetischen Realismus bezeichnet.

Werke:
"John Maynard"/"Die Brück' am Thay", Fontane
"Effi Briest", Fontane

9. Der Naturalismus

Der Naturalismus kommt zur zeit Bismarcks, ebenfalls in der Wilhelminischen Ära auf (1880-1900).

Zeitgeschehen:
Die Bürger und Arbeiter streben höhere Stände an. Es herrscht ein Überlebenskampf in den unteren Schichten der Gesellschaft. Determinismus und Pessimismus prägen die Lebenseinstellung und die Werke.

Themen:
Thematisiert werden das kleinbürgerliche Elend, der handlungsarme Mensch, Kritik an der Obrigkeit und das Scheitern des positiven Helden.

Häufige Merkmale:
Es werden häufig Antihelden in ihrem Arbeiteralltag dargestellt, um das Menschenbild zu verdeutlichen. Der Naturalismus zeichnet sich aus durch genaue und detaillierte Beschreibungen, genaue Orts- und Zeitangaben sowie chronologisches Erzählen. Das Elend wird bewusst betont.

Werke:
"Bahnwärter Thiel", Gerhart Hauptmann


... Morgen fasse ich euch die Strömungen zur Jahrhundertwende zusammen...

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